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‚Alles wird gut!‘ hieß es jahrelang im deutschen Fernsehmagazin und AllesWirdGut heißt auch jenes Architektenteam, das sich im Jahr 1999 von der optimistischen Ansage Nina Ruges bei der Bürogründung inspirieren ließ und heute zu einer der fixen Größen der jungen österreichischen Architektenszene zählt. Die vier Partner Andreas Mart, Friedrich Passler, Herwig Spiegl und Christian Waldner hatten sich beim Architekturstudium kennengelernt und von einer gemeinsamen beruflichen Zukunft geträumt. Die ist dann schneller als gedacht Realität geworden, als der erste überraschend gewonnene Wettbewerb die jungen Architekten teilweise noch vor Studienabschluss überrumpelte. Ursprünglich hatte das Herrenteam auch eine Dame dabei, Ingrid Hora, die sich allerdings bald für die freischaffende Kunst entscheiden sollte.

Heute arbeiten die AWGs mit rund 60 Mitarbeitern – auf zwei Etagen direkt am Donaukanal unweit Jean Nouvels Hotelhochhaus Sofitel. Vis-à-vis von der Wiener City reicht der Blick vom coolen Badeschiff bis auf die Spitze des Stephansdoms, was durchaus symbolisch für das weite Spektrum ihrer Architektur verstanden werden kann. Mehr als 50 Projekte im In- und Ausland stehen auf der Referenzliste. Vom Städtebau bis zum Shopausbau reicht die Kompetenz. Seit 2016 gibt’s auch eine Dependance in München – Begleiterscheinung einer Reihe von gewonnenen Wettbewerben und mittlerweile 9 aktuellen Projekten in Deutschland, wie den Münchner Wohnbauten am Prinz-Eugen-Park und in der Ludlstraße, die Firmenzentrale in Essen, eine Schullandschaft in Hamburg und das Landratsamt in Erlangen.

Begonnen hat alles in einer ehemaligen Geißlerei. Denn in diesem kurzerhand zum Architekturbüro adaptieren Gassenlokal hatte sich die damalige Fünferbande für das erste Tiroler Projekt zusammengefunden, und Tirol ist auch eine Klammer, die das Team grenzüberschreitend zusammenhält. Stammen doch zwei aus Nord- und zwei aus Südtirol – Ländergrenzen, ebenso überwunden wie die vier Jahre Altersunterschied, die an der Uni noch einen Generationensprung ausmachten und heute längst egalisiert sind. In dieser ersten Zeit sieht Herwig Spiegel auch die Grundfesten der exzellenten Teamarbeit, die mittlerweile 17 Jahre Bürotätigkeit und mehrere Maßstabssprünge konfliktfrei mitgemacht hat.

Der Input verschiedener Charaktere und die Zusammenarbeit ohne Hierarchien und Spezialisierungen zeichnen die Gruppe aus. Trotz der Vielzahl der laufenden Aufträge wird dieser Spirit weitergetragen, und allwöchentlich finden sich möglichst alle vier Partner beim freitäglichen Workshop ein, um Entwurfsideen gemeinsam mit dem Team zu diskutieren. Jeder Beitrag ist gefragt und ein unverbrauchter Zugang wird besonders geschätzt – 13 Nationalitäten und ein Durchschnittsalter von aktuell 34,75 Jahren garantieren frische Ideen.

Ideen die im der Neugestaltung der Open-Air-Festival Arena in St. Margarethen ebenso zum Einsatz kommen, wie in der New Design University in St. Pölten, im Freiraum der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße ebenso wie in Österreichs größtem Passivbürohaus in Krems. Und natürlich in den zahlreichen Wohnprojekten, wo die AWGs ihren pragmatischen wie innovativen Zugang, der laut Eigendefinition stets auf der Suche nach dem ‚Potential des gegebenen Kontexts‘ ist, realisieren konnten. Dazu zählen die Mehrfamilienhäuser in der Gallgasse ebenso wie die Wohnanlage in der Seestadt Aspern und immer mehr auch solche in Deutschland und Luxemburg.

Der experimentelle Zugang zum Thema Wohnen hatte ihnen im Jahr 2000 ihre erste Auszeichnung eingebracht, als sie für das Objekt turnon den FutureVisionHousing-Preis erhielten und damit sowohl gängige Vorstellungen des Wohnens als auch der vorherrschenden Produktionsweisen der Bauindustrie kritisch hinterfragten. Zahlreiche Auszeichnungen folgten, der Adolf Loos Staatspreis etwa, der Förderpreis der Stadt Wien, der Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit und zuletzt auch eine Reihe von Auszeichnungen aus dem Bereich des Social Design.

 

AllesWirdGut.  Spirit: sozial

AllesWirdGut prangt groß auf dem Panoramfenster mit Blick auf die Wiener Innenstadt. 17 Jahre liegen zwischen den Anfängen im Zeichensaal und den aktuellen Erfolgsprojekten im In- und Ausland. Wie es gelang, Spirit und Teamgeist zu bewahren und in der Wiener Tradition des sozialen Wohnbaus zu einer fixen Größe der jungen Architekturgeneration zu werden, erzählt Gründungspartner Herwig Spiegel.

Was macht denn den besonderen Spirit von AWG aus? Wir sind einfach neugierig und immer noch motiviert, nicht nur die vermeintlich logische Lösung aus dem Hut zu zaubern. Das hat auch mit der andauernderen Verjüngungskur unseres Teams zu tun, dem Verständnis und dem Miteinander. Natürlich muss das alles auch wirtschaftlich funktionieren, aber dieser Teamspirit ist etwas, worauf wir alle vier immer mit einem gewissen Stolz schauen.

Wie funktioniert die Entwurfsarbeit im Team? Wir sind’s von Anfang an gewohnt zu viert/fünft zu arbeiten. Das war extrem angenehm und befruchtend… und das gibt es immer noch. Die Vielzahl der Projekte führt dazu, dass wir leider nur mehr an der Oberfläche involviert sind…. Wo wir aber schon versuchen, uns stark einzubringen, ist ganz am Anfang. Wir haben auch jeden Freitag Workshop-Tag. Die Zeit nehmen wir uns, das macht auch Spaß, da werden dann mit den Projektteams Wettbewerbe besprochen, da wird skizziert, da wird diskutiert.

Seit 2016 gibt’s eine Dependance in München, wie gelingt denn die deutsch-österreichische Teamarbeit? Wir haben immer schon geliebäugelt mit einem zweiten Standort in Deutschland, das bringt in vielen bürokratischen und administrativen Belangen eine Erleichterung und kommt auch den Auftraggebern entgegen. Und was die Mentalität betrifft, sind uns die Bayern ja recht ähnlich, aber wenn man das ganz nüchtern betrachtet, muss man ehrlich sagen, dass die Zusammenarbeit, das Klima und der Erfolg sehr stark personenabhängig sind, und es relativ wurscht ist, woher die Person kommt.

Zuletzt habt ihr ziemlich Furore gemacht mit Magda’s Hotel, einem Projekt für Menschen mit Fluchthintergrund. Das Magda‘s ist einfach ein sehr schöner Baustein in dem ganzen Potpourri von Projekten, die wir bearbeiten. Aus einem Social Business Model ist so etwas wie Social Design entstanden, etwas, das eigentlich schon länger im sozialen Wohnbau Einzug genommen hat. Dass Design eine soziale Verantwortung hat, wissen wir aus dem Wohnbau heraus, und das kennen wir spätestens seit den gescheiterten Satelliten-Projekten der 70er 80er Jahre. Da hat man festgestellt, man muss einen sozialen Aspekt auch in das Wohnen hineinbringen, und das hat sich ja im Wohnbau heute sehr erfolgreich etabliert.

In eurer Tätigkeit hat sich in der jüngeren Vergangenheit der Schwerpunkt Wohnen herauskristallisiert? Wir haben nie irgendeine Art der Spezialisierung aktiv vorangetrieben, im Gegenteil, wir haben es eine Zeit lang sehr genossen, nicht spezialisiert zu sein. Mittlerweile haben wir vielleicht ein bisschen einen Überhang in Richtung Wohnbau, sicherlich auch verknüpft mit unserem Standort und einem gewissen Image, das Wien hinsichtlich sozialen Wohnbaus international genießt. Diese Gedanken, die wir hier im Laufe der Zeit erlernt und entwickelt haben, werden ja im Ausland auch gerne angenommen. Aber ansonsten sind wir sehr froh, wenn wir sehr breit gefächert arbeiten können.

(Manuskriptfassung, erscheint in Bauwelt 39/ Spezial)

Bauwelt Spezial GROHE
AllesWirdGut Architekturbüro

Fotograf: Georg Molterer

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