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Eine überraschende Großzügigkeit mit nahezu urbaner Anmutung eröffnet sich hinter diesen auf einem Traunviertler Dorfplatz stehenden historischen Mauern, die vom Wiener Architekten Bernhard Frodl adaptiert wurde. Das ehemalige Wirtschaftsgebäude bildet gemeinsam mit Pfarramt, Schloss und Kirche ein Ensemble rund um den Dorfplatz, dessen älteste Bauteile auf die Spätgotik zurückgehen. Jahrhundertelang wurde es für Lager und Stallungen genutzt, lange stand es leer. Im Zuge der Sanierung sollten hier Wohn- und Büroräumlichkeiten entstehen – keine geringe Herausforderung. Gab es doch keine haustechnische Infrastruktur, kein Stiegenhaus und nur wenig natürliche Belichtung, dafür Versalzungen und baufällige Gewölbe. Auch den Anforderungen des Denkmalschutzes galt es Genüge zu tun. Dafür herrschte bei der Raumaufteilung im Obergeschoß größtmögliche Freiheit. Der frühere Kornspeicher verfügt lediglich über massive Außenwände, die heute vier, teilweise zweigeschossige Wohneinheiten beherbergen, deren filigrane abgehängte Balkone in feinem Kontrast zu den wuchtigen Fassaden stehen. In den gewölbten Sälen im Erdgeschoß befinden sich Büro- und Veranstaltungsräume, eine halböffentliche Nutzung, die mit dem ebenfalls neugestalteten Teil des Dorfplatzes korrespondiert.

Die Adaptierung der historischen Substanz beschränkt sich auf notwendige Eingriffe, die als solche sichtbar werden dürfen. Ergänzende Elemente wie Treppen, Balkone und Portale fügen dem historischen Ensemble eine zeitgemäße Dimension hinzu. Mehr gestalterischen Freiraum nahm sich der Architekt bei der neuen Stiege, die als räumliche Stahlskulptur in den dreigeschossigen gewölbefreien Teil des Gebäudes hineingesetzt wurde und mit einer großzügig urbanen Anmutung im dörflichen Umfeld überrascht. In ihrer sorgfältigen Ausarbeitung hebt sich die Stiege aus Stahl und Holz vom verputzten Mauerwerk ab und schafft unerwartete interessante Durchblicke.

 

Haus am Dorfplatz, Lindach, Oberösterreich, 2013

Architektur: Bernhard Frodl

Fotografie: Nikolau Korab

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