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In 52 Bildern um die Welt. Im neuen QUER. Der Niederländer Iwan Baan hat die Architekturfotografie revolutioniert und holt den Menschen zurück ins Bild. Ein Plädoyer für die Vielfalt rund um den Globus.

Ganz gleich, ob in den fassadenbunten Favelas von Rio de Janeiro eine Runde sonnenverbrannte Companheiros ins Kartenspiel vertieft ist, oder ob das internationale Kunstvölkchen durch den luftigen Serpentine Pavillon in London streift. Menschenleere Architekturansichten sucht man in der aktuellen Ausstellung am Frankfurter DAM vergeblich. Dabei ist der Niederländer Iwan Baan einer der ganz Großen seines Faches. Von Rem Koolhaas und Herzog de Meuron über SANAA und Steven Holl bis hin zu Toyo Ito und Zaha Hadid – was Rang und Namen hat, ist in seinem Portfolio versammelt. Und dennoch sind seine Bilder meilenwert von den üblichen Hochglanzstrecken entfernt, die den Architektur-Junkie von heute bestürmen.

Die klassische Architekturfotografie, clean und menschenleer inszeniert, hat ihn nie interessiert. Nahezu 365 Tage im Jahr rund um den Globus unterwegs, legt der urbane Dokumentarist den Fokus auf die individuelle Gestaltung im globalisierten Einerlei. Der soziale Kontext ist es, der ihn interessiert und der seine Bilder so unvergesslich macht. Ob improvisierter Slum oder wolkenkratzende Boomtown – pralles Leben findet er in allen Hütten. Hier versammelt sich eine afrikanische Großfamilie rund um die traditionelle Feuerstelle, und dort lässt ein japanischer Teenager im minimalistischen Dachgeschoß fröhlich den Kopf von der Galerie baumeln. So verwoben mit ihren Nutzern und ihrer Nutzung bleibt die Architektur im Hintergrund und erhält gerade dadurch visuelles Gewicht.

Für die 2013 im Museum MARTa Herford entstandene Ausstellung nimmt Baan den Besucher mit auf seine fotografische Reise rund um die Welt. “52 Wochen, 52 Städte” nennt sich das Reisebilderbuch des Niederländers, der an der Royal Dutch Academy of Fine Arts in Den Haag studierte und heute einer der weltweit am häufigsten publizierten Architekturfotografen ist.

Zur Architektur gekommen ist er 2005 eher beiläufig über Rem Koolhaas und auch China, wo er dessen CCT-Gebäude und später auch Herzog & de Meurons Olympiastadion fotografierte. Angetan hatten es ihm die chinesischen Wanderarbeiter, die sich ihm vor dem Hintergrund der gigantischen Architektur ganz unbefangen zeigten. Mit den Akteuren seiner Tableaus in Beziehung zu treten, fällt dem schlaksigen Typen hinter der Kamera offenbar nicht schwer. Die Ausstellung beginnt in China und wandert über die Kontinente. Nicht wenige der Bilder haben längst Ikonenstatus – die Aufnahme des Sandsturms über Manhattan etwa, die als Cover um die Welt ging oder die schwimmende Schule in den Lagunen von Lagos. Vieles zeigt er aus der Vogelperspektive, die mittels Helikopter oder eigens angefertigter Drohne zu einem von Baans Markenzeichen geworden ist. Das andere ist seine Faszination für die menschliche Fähigkeit, sich an unterschiedlichste Lebensräume anzupassen. Diese Vielfalt ist ihm eine Quelle der Freude, und in seinen Bildern zeigt er das auch uns.

‘In 52 Bilder um die Welt’ erschienen in:  QUER °15 Frühjahr 2015

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