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Botschaften. 50 Jahre Auslandsbauten der Bundesrepublik Deutschland war der Titel einer Ausstellung im DAM Deutsches Architekturmuseum in Frankfurt am Main, die später auch in Berlin und Bonn gezeigt wurde.

Auslandsbauten als willkommenes Medium der Selbstdarstellung einer Regierung, unter der Oberfläche aber auch Ausdruck des gesellschaftlichen Selbstverständnisse. Die Gestaltung der offiziellen Bauten vermittelt bewußt oder unbewußt, gewollt oder ungewollt ein bestimmtes Bild in der Fremde. Betrachtet man dieses Bauschaffen im Falle Deutschlands über die Zeitspanne der zurückliegenden 50 Jahre, so öffnet sich ein Panorama auf Kanzleien und Residenzen, Pavillons auf Weltausstellugen, kulturellen Einrichtungen und Deutsche Schulen. Wurde aber auch spezfisch deutsch gebaut? Und wie baute das andere Deutschland?

Von 1949 bis 1999 lieferten bedeutende Architekten eine Reihe herausragender Entwürfe. Exemplarisch steht etwa das Bautenpaar der Botschaft in Washington – die Kanzlei von Egon Eiermann und die Residenz von O.M.Ungers – für zwei Phasen Deutscher Befindlichkeit: in den 60er Jahren der verhaltene Aufbruch der jungen Bundesrepublik, dagegen 30 Jahre später die selbstbewußte Verschmelzung einer weißen Moderne mit neoklassischer ‘Ordnung’. Der Neubeginn mit dem Trauma der eigenen Vergangeneheit fiel nicht leicht. ‘Es war ja sehr schwer für Deutschland nach den schrecklichen Eriegnissen, die sich nach der letzten Weltausstellung 1937 und noch vorher bis jetzt abgespielt haben, wieder im Rahmen einer solchen Veranstaltung aufzutreten. Dieses Land hat sich zuviel Schuld aufgeladen, so dass es sehr schwierig war den richtigen Ton zu teffen’ schrieb Egon Eigermann, der beim ersten Auftreten vor der Weltöffentlichkeit 1958 mit dem deutschen Expo-Pavillon in Brüssel durch Leichtigekit und Transparenz ein neues Deutschland präsentieren wollte.

Die Fünfziger Jahre waren vielfach geprägt von beschwingten Formen. Was Dieter Bartetzko Die Unfähigkeit zu mauern nennt, zeigt sich an der von japanischen Tempeldächern inspierierten geschwungenen Dachplatte der Botschaft in Tokio ebenso wie in Johannes Krahns Deutschem Haus in Paris, wo Tütenlampen und gelochte Wände das Studentenleben erhellen sollen. Oder auch in Monrovias Botschaft unter Palmen, die eine, der einheimischen Bautradtiton entlehnte, ‘Palaverhütte’ Aug’ in Aug’ mit einem knallbunten, geradewegs dem bundesdeutschen Wirtschaftswunder entsprungenen Sonnenschirm der tropischen Sonne trotzen läßt.

Dieser architektonische Unbeschwertheit folgten bald gewichtigere Bauten. Schwere Masse und Sichtbeton prägten die in den 60er und 70er Jahren entstandenen Botschaften. Gleichzeitig zeichnete Hans Scharoun in Brasilia jedoch durch die Zusammenlegung von Kanzlei und Residenz in dem für ihn signifikanten Freien Grundriss ein bewußt unpretäntiöse Gestalt.

Gelegenheit zur bewußten Inszenierung fand Deutschland vorrangig auf Weltausstellungen. Die heiteren Formen Frei Ottos in Montreal 1967 trafen auf große Zustimmung. Eher verstörend wirkte Fritz Bornemanns ‘Non-Architektur’ in Osaka1970 Nach Jahren friedlicher Koexistenz, als in Moskau sowohl eine Botschaft der DDR als auch eine der BRD entstanden, wäre zur Expo in Sevilla 1992 erstmals ein Pavillon der DDR zugelassen gewesen. Die Wende machte dieses Bauwerk obsolet. Vice versa verlor auch die von Christoph Mäckler geplante stänidge Vertretung der Bundesrepublik in Ostberlin ihre Veranlassung.

Das geeinte Deutschland konnte aber auch mit neuem Stolz renommierte in- und ausländische Architekten beauftragen, in aller Welt das neue Deutschland zu präsentieren: von Helsinki bis Karatschi, von Peking nach New York, in Tallin und Kiew.

Aufwendige Restaurierungsprojekte schaufen auch In alten Mauern repräsentative Niederlassungen, so daß barocke Palais, neogotische Wohnhäuser und Villen der Neorennaissance moderne deutsche Einrichtungen beherbergen. Historische Bauten waren auch Anziehungspunkt, wenn Deutsche Auf Goethes Spuren in Italien wandelten, woraus so wichtige Stätten der kulturellen Beziehunge wie die Villa Massimo in Rom entstanden sind. Schwieriger gestaltete sich der Umgang mit dem historischen Biennale-Pavillon in Venedig, der auch weniger rühmliche Aspekte de Deutschen Geschichte in sich vereint.

Ein spezifisch deutsches Lernen schließlich wird in den zahlreichen Deutschen Schulen vermittelt, deren jüngster Vertreter voraussichtlich im Jahr 2000 in Peking fertiggestellt wird.

Die versammelten Bauten spiegeln die unterschiedlichen architektonischen Strömungen, abe auch die in Deutschland geführten Architekturdiskussionen der letzten Jahrzehnte wider. Darüber hinaus können sie auch als Quelle für kulturgeschichtliche Prozesse gelesen werden:
– das Aufeinanderprallen von diplomatischen Enklaven mit der Kultur Draussen vor der Tür
– ein mögliches Kunstwollen des offiziellen Deutschland im Programm Kunst am Bau
– bilaterale Eröffnungszeremonien, die oft skurrile Blüten tragen
– ein tradiertes Geschlechterverhältnis, das sich im Raumprogramm von Damenzimmer und Herrenzimmer niederschlägt oder gar zur Einrichtungbeines Puderzimmers führt.
Das sind die Fragen, auf die die Ausstellung nur Streiflichter werfen kann, die jedoch als Anregung zu weiterführenden Betrachtungen dienen sollen.

Neben Plänen, Fotografien und Modellen werden vor allem Ausstattungsgegenstände, die oft wichtiger Bestandteil des Entwurfskonzepts der Architekten waren, das Ambiente des diplomatischen Alltags vermitteln und handgreiflich illustrieren, welche Botschafte Deutschland mit seinen Bauten in die Welt sendet.

Austellungskonzept und Realisierung gemeinsam mit Wolfgang Voigt

Pressespiegel:
– Nationale Selbstauskünfte. Wie stellt sich Deutschland der Welt dar? 50 Jahre Botschaftsbauten im Architekturmuseum Frankfurt. Ulf Meyer. Berliner Zeitung 13.08.2000
– Mehr Demokratie bauen. Palaverhütten für Monrovia, klassizistische Säulenhallen für Washington: In Frankfurt wird die Ausstellung “Botschaften – 50 Jahre Auslandsbauten der Bundesrepublik Deutschland” gezeigt. Michael Kasiske. taz – die tageszeitung 22.08.2000
– Wer kommt mit in die Palaverhütte? Akribisch bilanziert: Fünfzig Jahre deutsche Botschaftsbauten. Oliver Elser. Frankfurter Allgemeine Zeitung 16. 8. 2001
– Kein Germane in der Botschaft. Ein halbes Jahrhundert diplomatische Bauen in Deutschland. Nikolaus Bernau. Berliner Zeitung 16.8.2001

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