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Soeben wurde am Landesklinikum Mauer der Gedenkort für Opfer von NS-Medizinverbrechen eingeweiht. Die Gestaltung stammt von Azra Akšamija, international renommierte Künstlerin und Architekturhistorikerin und ist aus einem von der NÖ Kultur/KOERNOE gemeinsam mit dem Klinikum durchgeführten künstlerischen Wettbewerb hervorgegangen.

Einerseits markiert dieser feierliche Akt das Ende eines jahrzehntelangen Vergessens und damit einen neuen Umgang mit diesem belasteten Teil der Geschichte, der sich auch im Rahmen der NÖ Landesausstellung Wenn die Welt Kopf steht manifestiert. Andererseits wird die lange vernachlässigte Begräbnisstätte zum sensibel gestalteten, würdigen Gedenkort für 2.848 Opfer, deren individuelle Schicksale in fundierter historischer Recherche aufgearbeitet wurden und im ebenfalls neugeschaffenen ‚Lernort zur Geschichte der NS-Mediziverbrechen‘ dauerhaft dokumentiert und vermittelt werden. „Das Projekt verwandelt den bisher unmarkierten Friedhof in einen kontemplativen Gedenkort, der die Würde des Bodens wahrt und gleichzeitig von dem historischen Trauma erzählt, das er birgt.“ Azra Akšamija

Der Gedenkort kennzeichnet einen durch Verbrechen des Nationalsozialismus belasteten Ort, der ab November 1944 als erweitertes Friedhofsareal genutzt wurde, nachdem der eigentliche Anstaltsfriedhof ‚überbelegt‘ war. Später gerieten die hier angelegten Einzel- und Sammelgräbern in Vergessenheit – ebenso wie die Schicksale jener Patientinnen und Patienten, die in Mauer-Öhling selbst oder von hier ausgehend den NS-Medizinverbrechen zum Opfer fielen. Bei den Gräbern handelt es sich um Kriegs- und Opfergräber im Sinne des Kriegsgräberfürsorgegesetzes, die von Seiten des Landes Niederösterreich und des Bundesministeriums für Inneres zeithistorisch aufgearbeitet wurden – federführend war dabei Dr. Phillipp Mettauer.

Azra Akšamijas Gestaltungskonzept macht den ehemaligen erweiterten Friedhofsbereich als Gedenkort sichtbar. Dabei bleibt das unmarkierte Gräberfeld unangetastet, um die Würde des Bestattungsortes zu bewahren, der ungestaltete Landschaftsraum selbst wird zum Medium des Gedenkens. Diese ‚Leerstelle‘ verweist aber auch auf den Umgang mit den Opfern im Nationalsozialismus und in den Jahrzehnten danach. Zugleich wird der Gedenkort durch eine umlaufende Mauer gefasst, deren Baumaterial auf die Todesorte der Opfer Bezug nimmt, da viele von Mauer-Öhling aus gezielt zur Tötung deportiert wurden: Ziegel steht für Mauer-Öhling, Kalkstein für Gugging und Am Steinhof, Schiefer für Meseritz-Obrawalde sowie gespaltener Betonstein für Hartheim – „Geschichtete Erinnerungen“, so der Titel der Arbeit.

Aber auch die einzelnen Schicksale der 2.848 Opfer werden in Erinnerung gerufen. Durch die Nennung ihrer Namen und Lebensdaten auf entlang der Mauer befestigten Metallplättchen wird ihnen ein Stück weit ihre Identität zurückgegeben und ein würdevolles Gedenken ermöglicht, das auch allen anderen Patientinnen und Patienten von Mauer-Öhling gilt, die während des Nationalsozialismus Stigmatisierung und Ausgrenzung erfuhren und später an den Folgen der an ihnen verübten Verbrechen litten oder starben.

Geschichtete Erinnerungen. Azra Akšamija. KOERNOE

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