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Menschen fliehen vor Krieg, Verfolgung oder Armut und suchen einen Weg in die Fremde, um hier ein neues Leben beginnen zu können. Welche Schicksale verbergen sich hinter medial erzählten Fluchtberichten? Die aktuelle AUsstellung in der Landesgalerie Niederösterrreich möchte jenseits von kolportierten (Flüchtlings-)Zahlen und Fakten, jenseits medialer Aufregungen und politischer Debatten mittels einzelner künstlerischer Positionen und Werke individuelle Geschichten erzählen.

Österreich war seit seiner Existenz als zentraleuropäischer Nationalstaat immer wieder Fluchtziel. Die Geflohenen wurden aufgenommen als Verfolgte und abgewehrt als „Fremde“. Je nach Standpunkt änderten sich die Ikonografien der Flucht. Die räumliche, quantitative und kulturelle „Überschreitung“ konnte in schockierenden oder skandalisierenden Bildern festgehalten werden. Sie rief aber auch künstlerische Sensibilitäten wach und kann positiv als Angriff auf verstockte Bildkonventionen verstanden werden, indem Geflohene hier auch neuartige Bilder schufen.

Die Flucht wird oft zur Odyssee, und sie endet erst lange nach der Ankunft. Für die Reise müssen Identitäten verborgen und gewechselt werden, und der behördliche „Asylprozess“ ist ein weiteres Maskenspiel. Diese Aspekte einer Person, ihre Masken und die mentalen Brücken zwischen dem Hier und dem zurückgelassenen Dort werden zum künstlerischen Gegenstand: Erinnerungen, Phantasmen, Dokumente, Fragmente. Es geht nicht um die Inszenierung der Geflohenen als Individuen, sondern um individuelle künstlerische Perspektiven des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart.

In der Ausstellung werden Werke von in Österreich lebenden Künstler/innen vorgestellt, so etwa Malereien von Adel Dauood oder Fotografien von Linda Zahra, die ihre eigene Fluchterfahrung ganz unterschiedlich bearbeiten oder als Label der Identifizierung zurückweisen. Arbeiten von in Österreich lebenden Künstler/innen wie Fotoübermalungen von Deborah Sengl thematisieren den Umgang mit Flucht und Migration, mit Vorurteilen und gesellschaftlichen wie persönlichen Herausforderungen.


Künstler/innen der Ausstellung: Osman Ahmed, Basel Alsheakh Ali, Rania Mustafa Ali, Alaa Alkurdi, Khaled Barakeh, Jakov Bararon, István Bielik, Franz Blaha, Tanja Boukal, Sepp Brudermann und Anabel Rodriguez, Eva Brunner-Szabo, Robert Capa, Ramesch Daha, Danica Dakić, Adel Dauood, Friedemann Derschmidt, Mehmet Emir, Olga Georgieva, Rolf Gillhausen, Patricio Handl, Robert Jelinek, Anna Jermolaewa, Dora Kallmus, Lena Lapschina, Vadim Kosmatschof, Evelyn Kreinecker, Erich Lessing, Camila Lobos, Klaus Mosettig, Lisl Ponger, Florian Rainer, Faek Rasul, Zbyněk Sekal, Deborah Sengl, Alena Vadura-Bilek, Nina Werzhbinskaja-Rabinowich, Linda Zahra und Carl Zahraddnik.


Kuratoren: Günther Oberhollenzer und Georg Traska

Spuren und Masken der Flucht.
Ausstellung: 12. 9. 2020 bis 26. 9. 2021

Foto:
Alaa Alkurdi, Reverse Privilege, Film-still, 2018
Rania Mustafa Ali, Escape from Syria Rania’s Odyssey

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