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Zwei Jahre noch, dann jährt sich der Geburtstag von Trude Schelling-Karrer zum 100. Mal. Am 6. Mai 1919 geboren, wurde die gelernte Bühnenbildnerin und Innenarchitektin vor allem durch ihre Rolle an der Seite des Architekten Erich Schelling bekannt, zusammen waren sie prägende Gestalten der Karlsruher Gesellschaft. Als Lebensgefährtin und spätere Gattin war sie zunächst als seine Mitarbeiterin später als kongeniale Partnerin wesentlich an der Innengestaltung seiner wichtigsten Bauten wie dem Theater in Schweinfurt oder der Schwarzwaldhalle in Karlsruhe beteiligt. Nach seinem Tode widmete sie sich mit der Gründung der Schelling-Stiftung gemeinsam mit Heinrich Klotz im Jahr 1992 der Erhaltung seines Werkes aber auch dem aktuellen Architekturgeschehen durch die Initiierung des Schelling Architekturpreises, der nun bereits seit mehr als 20 Jahren international zukunftsweisende Architektur in Theorie und Praxis auszeichnet.

Doch auch als eigenständige Gestalterin war Trude Schelling aktiv. Zahllose Bühnenbilder konnte sie in den Jahren zwischen 1941 und 1961 am Badischen Staatstheater in Karlsruhe, im Stadttheater Baden Baden und an weiteren kleineren Bühnen bis hin zur Wiener Josefstadt realisieren. Auch aus dem frühen Fernsehspiel des Südwestdeutschen Rundfunks sind diverse Studio-Ausstattungen dokumentiert. Im Archiv des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt am Main, das über den Nachlass der Schellings verfügt, finden sich etliche aquarellierte Bühnenbildentwürfe, die trotz schlechten Zustands, blätternder Farbe und zunehmender Stockflecken noch die graziös-farbige Leichtigkeit der 50er Jahre versprühen.

Ein Porträt-Foto Trude Schellings aus den Fünfziger Jahren zeigt sie mit dem Pinsel in der Hand bei der Arbeit an eben diesen Entwürfen. Der Schrank im Hintergrund verweist auf ihre spätere Tätigkeit als Innenarchitektin und Möbeldesignerin mit außergewöhnlicher Handschrift. Als solche gestaltete sie ab 1956 Messestände und Ausstellungen für die Industrie sowie Bank- und Versicherungsgebäude. Wenig ist davon erforscht, noch weniger erhalten und ihr Entwurfsanteil an der Bauten ihres Gatten unter gemeinsamem Schelling-Stempel subsumiert.

Eine eigenständige Arbeit ist mit der Buchhandlung Kaiser in Karlsruhe dokumentiert, die es dank der elegant geschwungenen Treppe vor der zweigeschoßigen Bücherwand sogar auf das Cover einer in Berlin erschienenen Architekturpublikation zum Thema ‘Buchläden’ aus dem Jahr 1958 schaffte. Hier findet sich auch ein in ihren Gestaltungsarbeiten wiederkehrendes Motiv des dekorativen plastischen Frieses, das gerne auch mit Vergoldungen versehen wurde, ein Vorliebe die in Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit als Kunstsammlerin vornehmlich alt-ägyptischer Antiken stehen mag. Der erwähnte Schrank im Arbeitszimmer der Gestalterin hatte als Bauernschrank aus dem Familenerbe ein Finish aus Blattgold erhalten und sich hernach bestens ins mondäne Ambiente des in Scharz und Gold gehaltenen Interieurs der repräsentativen Wohn- und Arbeitsräume des Paares im Haus in der Riefstahlstraße integriert.

Exzentrische Farbgebungen und dekorative Formen finden sich in Teppichentwürfen, Möbel- und Lichtskulpturen aber auch in ihren Schmuckentwürfen für den höchst anspruchsvollen Geschmack. ‘Offer also with Diamonds!’ steht in einer ihrer architektonisch anmutenden Entwurfszeichnungen für ein in Gold und Edelstein auszuführendes Geschmeide.

Ihre Gabe für theatralische Inszenierungen konnte sie in der Gestaltung der Zuschauerräume im Hamburger Thalia Theater sowie fürs Foyer im Berliner Schiller Theater umsetzen. Der Höhepunkt ihrer Theaterarbeit findet sich aber unbestritten im Theater der Stadt Schweinfurt, für desssen architektonische Gestalt Gatte Erich Schelling verantwortlich zeichnete. Im Foyer des Theaters, das im Vorjahr sein 50Jahr-Jubiläum beging, finden sich noch immer ihre effektvollen Glasskulpturen aus dem Jahr 1962, die als Beleuchtungskörper dienen und seit der Renovierung im neuen Glanze erstrahlen.

Der Großteil von Trude Schelling-Karrers Werk strahlt allerdings noch im Verborgenen. Zum kommenden 100. Geburtstag darf man auf eine gründliche Aufarbeitung gespannt sein.

Literatur:
Ariane Lindemann: Karlsruher Köpfe. Menschen, die man in Karlsruhe kennt, Karlsruhe 2004, S. 176 f.
Abbildungen:

Portrait Trude Karrer: Stadtarchiv Karlsruhe, Bildarchiv Horst Schlesiger
Bühnenbildentwürfe Trude Karrer aus dem DAM Archiv, Prospekte zu Feuerwerk Stadtdtheater Baden Baden 1954 sowie der Fidele Bauer Bodenseefestpiele Steckborn 1952
Buchhandlung Kaiser, aus ‘Buchläden’, Kasper Schulz, Verlag Walter de Gruyter & Co, Berlin W, 1958.
Portraits von Erich und Trude Schelling im Sitz der Architekturstiftung von Wilfried Dechau
Teppich- und Vorhang-Entwürfe Trude Karrer aus dem DAM Archiv
Foyer und Zuschauerraum Theater Schweinfurt, Pressefotos Theater Schweinfurt

Schelling Architektur Stiftung
Theater der Stadt Schweinfurt
Lexikon der Stadt Karlsruhe

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