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Die Ausstellung “Making Heimat. Germany, Arrival Country”, die das DAM für den Deutschen Pavillon auf der Biennale di Venezia 2016 realisierte, wird ab 4.3. mit aktualisierten und erweiterten Themenfeldern in Frankfurt präsentiert. Making Heimat. reagiert darauf, dass 2015 und 2016 mehr als eine Million Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Bevor aus vielen der Flüchtlinge in Deutschland reguläre Einwanderer werden können, leben Tausende von ihnen noch in Not- und Gemeinschaftsunterkünften. Kurzfristige und temporäre Unterkünfte werden dringend benötigt, aber genauso notwendig sind neue Ideen und bewährte Konzepte zur Integration.
Heimat ist ein deutscher Begriff, der sich schlecht in andere Sprachen übersetzen lässt. Weder homeland oder home country im Englischen, noch casa oder patria im Italienischen und Spanischen umfassen die Vielfalt der Deutungen im Deutschen. Der Titel Making Heimat bringt eine neue, aktive Ebene in die Diskussion: Wie kann Heimat „gemacht“ werden? Und von wem? In enger Zusammenarbeit mit dem spätern Schelling-Architekturpreises Doug Saunders, dem Autor von Die neue Völkerwanderung – Arrival City, wurden acht Thesen zur Arrival City erarbeitet. Welche architektonischen und städtebaulichen Bedingungen müssen in den Arrival Cities gegeben sein, damit sich Einwanderer in Deutschland erfolgreich integrieren können?
Doug Saunders hat weltweit Arrival Cities besucht. Seine Beobachtungen stützen sich auf Besuche in Slums und Favelas. Diese Viertel sind und bleiben arm, aber sie haben eine hohe Fluktuation. Sie bieten günstige Mieten, Zugang zu Arbeitsplätzen und ein kulturelles, ethnisches Netzwerk, das die Ankommenden aufnimmt und einen sozialen Aufstieg durch Selbstintegration ermöglicht.

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Es wurde dabei die Frage verfolgt, welche architektonischen und städtebaulichen Bedingungen gegeben sein müssen, damit Einwanderer (nicht nur Flüchtlinge) sich selbst in Deutschland integrieren können. Nicht nur die Frage der Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge wird hier beleuchtet, sondern auch der kontinuierlich steigende Bedarf an bezahlbarem Wohnraum in den deutschen Ballungsräumen zum Thema gemacht. In der Ausstellung werden 57 Flüchtlingsbauten in Deutschland gezeigt, keine ‘best practice’ Sammlung sondern in Abbild der gebauten Realität als Reaktion auf die aktuelle Flüchtlingsbewegung. Einerseits beweisen sie, dass Architektur und Stadtplanung einen wesentlichen Beitrag zur Integration leisten können, und andererseits zeigen sie den Weg in Richtung bezahlbaren Wohnraum für alle. Die Bilderstrecken von Anja Weber zeigen die gebaute und gelebte Wirklichkeit in diesen Unterkünften im Herbst 2016.

Ein südamerikanisches Beispiel für die These ‘Die Arrival City ist selbst gebaut’ zeigt Quinta Monroy, eine Siedlung für einkommensschwache Bewohner in Iquique, einer chilenischen Hafenstadt am Rande der Atacamawüste, die in den Jahren 2003-2004 errichtet wurde. Im Rahmen der offiziellen Wohnbauförderung entwickelte eine Gruppe Architekten um frühen Schelling-Architektur- und späteren Pritzker-Preisträger Alejandro Aravena vom Architekturbüro Elemental 2001 ein Projekt, 100 Familien, die schon seit 30 Jahren illegal auf einem etwa 5000 m² großen Grundstück in der Mitte der Stadt lebten, Wohnraum als Wohneigentum zur Verfügung zu stellen, ohne dabei die gewachsenen sozialen Strukturen zu zerstören. Mit dem sehr eingeschränkten Budget der Wohnbauförderung waren nur Wohneinheiten mit jeweils 30 m² Wohnfläche realisierbar.

Die Architekten entwickelten aus diesen Vorgaben das Konzept der Incremental Houses und stellten die Erweiterbarkeit und Wertsteigerungsmöglichkeiten in den Mittelpunkt ihrer Planungen. Die Wohneinheiten wurden daher mit einer Fläche von etwa 70 m² geplant, aber nur zur Hälfte bereits gebaut; die zweite Hälfte kann von den Bewohnern je nach Bedarf und finanziellen Möglichkeiten später selbst erstellt werden. Die Erweiterungen erlauben eine individuelle Gestaltung der Häuser und dienen einer engeren Bindung der Bewohner an das Objekt, was durch die längerfristige Wertsteigerung auch deren Vermögensaufbau dienen soll. Alle notwendigen und aufwendig zu realisierenden Einrichtungen wie Versorgungsleitungen und die Erschließung durch Treppen wurden beim Bau bereitgestellt und durch die Struktur der Gebäude eine optimale Erweiterbarkeit mit einfachen Mitteln erreicht.

Die aus finanziellen Gründen notwendige Verdichtung der Siedlung erzielten die Architekten durch eine Reihenhausbauweise mit drei Etagen, die Struktur der Anlage um vier halböffentliche Hofbereiche wurde gemeinsam mit den Bewohnern entwickelt. Die Wohnungen wurden auf einem Raster von 3 mal 6 m geplant, je zwei Einheiten ergeben eine Wohnung, im Erdgeschoss liegen sie nebeneinander, in den Obergeschossen übereinander. Daneben wurden jeweils zwei weitere Einheiten für die Erweiterung freigehalten. Die Wände zu diesen Erweiterungsbereichen sind leicht demontierbar und nicht tragend, so dass durch den Ausbau auch grosszügiger geschnittene Räume ermöglicht werden.

Quellen: Pressetext DAM, Wikipedia

Making Heimat. Deutsche Architekturmuseum

Schelling Architekturpreis

Abbildungen: Incremental Houses in Quinta Monroy, vor und nach der Erweiterung durch die Bewohner
Architekt: Elemental, Chile
Fotos: © Christobal Palma, 2006 und © Tadeuz Jalocha, 2004

 

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