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Architektur & Landwirtschaft. Das bäuerliche Wohnhaus ist eine der Hauptaufgaben, wenn’s beim Bauern ums Bauen geht. Und damit startet hier auch eine Serie moderner landwirtschaftlicher Bauten aus ganz Österreich, die durch die Zusammenarbeit mit Architekten nicht nur eine gute Gestaltung aufweisen, sondern auch mit Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit punkten.

Das Bauernhaus lebt von der Tradition. Die Herausforderung aber liegt in der Gegenwart. Bauformen prägen die Kulturlandschaft. Wissen wird über Generationen weitergegeben. Brauchtum stiftet Gemeinschaft. Tradition aber ist die Bewahrung des Feuers und nicht die Anbetung der Asche, so hat es ein großer Österreicher formuliert. Alt & Neu also ist gefragt. Und mit Offenheit kann das auch im Bauerhaus gelingen.

‚Man muss offen sein für Neues‘ meint Klaus Piberger, der mit seiner Frau in dritter Generation den Moarhof im Salzburgischen Lofer bewirtschaftet. Offen und licht ist auch der modernisierte Streckhof, der auf dem Mayerberg thront. Die Familie bewohnt den Hof mit Kindern, Eltern und Geschwistern und hat sich 2004 auf die Kalbinnenzucht spezialisiert. In diesem Jahr entschied man sich auch für den Neubau des Wohntrakts, nicht ganz freiwillig allerdings.

Ein Wohnungsbrand hatte den Anstoß gegeben. In dem vom Großvater errichteten hätte man sich noch wohlgefühlt, jetzt aber war der Weg frei für neuen Wohnkomfort und ein nachhaltiges Baukonzept. Mitgeholfen dabei hat ein Architekt. Und den zu finden war in diesem Fall nicht schwer. Hat doch der Hausherr als Zimmerer schon viele moderne Häuser gesehen und dabei an offener Raumaufteilung und großzügiger Belichtung Gefallen gefunden. Auch mit Simon Speiger, von den sps-Architekten, mehrfach mit dem Salzburger Architekturpreis ausgezeichnet, hat er zusammengearbeitet und damals noch im Scherz gemeint ‚Wenn ich einmal ein Bauernhaus baue, komm ich zu dir…‘

Der Architekt fand eine Lösung für die Verbindung von Alt und Neu. Die äußere Form wurde beibehalten, gleichzeitig nutzte er aber den Spielraum der Bauvorschriften und konnte so auf die Wünsche der Bauherren eingehen. Die verzichteten dank großzügiger Südterrasse auf den traditionellen Balkon – ‚Der macht nur Arbeit und wird wenig genutzt‘ – und wählten eine pflegeleichte Schindelfassade. Eine Entscheidung für die Nachhaltigkeit, die sich durchs ganze Haus zieht, wenn alte Träme und Bodendielen wiederverwertet werden. Neben dem Holz ist das Haus durch Licht und Offenheit geprägt. Drei unabhängige Wohneinheiten öffnen sich mit breiten Fensterfronten zur Bergkulisse, das frühere Kellergeschoß konnte dank Hanglage zur Ferienwohnung aufgewertet werden.

Wie aber ist der Übergang vom Altbestand zum Neubau gelöst? Der Architekt hat eine unbeheizte Erschließungszone eingezogen. Hier können die Kinder spielen. Feste werden gefeiert. Als Geruchsschleuse trennt sie Stalltrakt vom Wohnbereich und dient zugleich der Belichtung. Im Altbestand ist die Hackschnitzelanlage untergebracht, die Neubau und Austraghaus heizt und zum Passivhaus-Standard beiträgt. 300.000 Euro hat das Ganze gekostet, zahllose Stunden Eigenleistung natürlich nicht einberechnet. Aber es hat sich gelohnt. Langfristig können Kosten gespart werden, alle fühlen sich wohl und die Bedenken der Nachbarn haben sich spätestens dann aufgelöst, wenn sie einmal in der lichtdurchfluteten Wohnküche gesessen sind. (Manuskriptfassung, Dezember 2013, hk)

Bauernhaus: Alte Substanz und neue Lösungen perfekt kombiniert
Bauern Zeitung, 3.Jänner 2014 . Die Onlineplattform für den Ländlichen Raum

Architektur sps-architekten

Fotografie Foto Dorfstetter

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