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Beste Kaffeehauslektüre – Schellingpreis im Wochenend-Standard – Maik Novotny interviewte den Preisträger des diesjährigen Schelling-Architekturpreises Diébédo Francis Kéré aus Burkina Faso direkt nach der Preisverleihung in Karlsruhe.

Maik Novotny. Architektur Stadt Text.

Maik Novotny . Über den Schatten springen. Der Standard. ALBUM. Samstag/Sonntag 29./30. November 2014

‘Indigenous ingenuity – direkt vor Ort’ war 2014 das Thema des Architekturpreises der Schellingstiftung, der am 12. November am Karlsruher KIT vergeben wurde – Diébédo Francis Kéré und Juhani Pallasma sind die Namen der Preisträger.

Bereits zum 11. Mal vergibt die in Andenken an den deutschen Architekten Erich Schelling 1992 gegründete Stiftung jeweils einen Preis für zukunftsweisende Architekturprojekte der jungen Generation sowie eine Auszeichnung für ein Lebenswerk im Bereich der Architekturtheorie. Im Zweijahresrhythmus tritt das Wahlkuratorium zusammen, um Zukunftstrends der Gegenwartsarchitektur aufzuspüren und beweist dabei durchaus seismographischem Gespür. Bereits mehrere spätere Pritzker-Preisträger sind unter den Schelling-Preisträgern zu finden.

Seit 2012 ist die Preisverleihung noch einmal spannender geworden und zieht damit vermehrt Publikum an. Während der Theoriepreisträger bereits im Vorfeld gewählt wird, fällt die Entscheidung für eine/n der drei Nominierten des Architekturpreises am Abend der Preisverleihung. In kurzen Präsentationen geben sie dem Publikum einen Eindruck ihres Schaffens und dem Wahlkuratorium, eine letzte Vertiefung zur Entscheidungsfindung. In diesem Jahr waren mit Kéré, Anna Heringer und Carla Juaçaba drei ähnlich Gesinnte nominierte, die einzig bedauerten, gegeneinander antreten zu müssen. Dieser Umstand wurde durch die außerordentlich großzügige Geste des Preisträgers Kéré entschärft, der kurzerhand das Preisgeld mit seinen Kolleginnen teilte und damit den sozialen Zugang ihrer Arbeit unterstrich. Kuratoren waren 2014 Juhani Pallasmaa, Peter Cachola-Schmal, Christiane Fath, Louisa Hutton, Wilfried Wang, Ludwig Wappner und als Gast Helga Kusolitsch.

Als Synthese zwischen ethischer Haltung und ansprechender wie angemessener architektonischer Gestaltung bezeichnete Laudator Wilfried Wang die Arbeit des aus Burkina Faso stammenden Diébédo Francis Kéré, der durch seine Zusammenarbeit mit Christoph Schlingensief bekannt geworden war. Neben seinem Engagement für die schulische Ausbildung auch in entlegenen Regionen der Welt schließe sein ganzheitlicher Ansatz auch landschaftsgestalterische wie ökologische Überlegungen mit ein. Kérés Arbeiten sind direkte bottom-up-Hilfen zur Weiterentwicklung einer lebendigen Gesellschaft und beweisen, dass Architektur eine unmittelbare Daseinsberechtigung sowie eine profunde wie alltägliche Bedeutung für Menschen haben kann.

Mit dem Theoriepreisträger Juhani Pallasmaa zeichnete die Jury den finnischen Architekten, Autor, Herausgeber, Hochschullehrer, Dozenten und Kritiker für seinen lebenslangen Beitrag zur Baukultur und insbesondere für seine leidenschaftliche Erforschung des phänomenologischen Denkansatzes aus. Indem er die Architektur als die Verteidigung der Authentizität menschlicher Erfahrung betrachtet, hat Pallasmaa einen polemischen Standpunkt gegen die stete Veränderung, Immaterialität und Anonymität unserer digitalen Welt bezogen, wie Luisa Hutton in ihrer Laudatio ausführte.

Die 1992 von Trude Schelling-Karrer, Architektin, Mitarbeiterin und Witwe Schellings sowie von Heinrich Klotz, damals Direktor am DAM, gegründete Schelling-Architekturstiftung widmet sich der Erhaltung des Werkes des von 1939- 1986 aktiven in Karlsruhe ansässigen Architekten. Aber durchaus nicht nur retrospektiv. Der von der Stiftung im Zweijahres-Rhythmus vergebene Preis würdigt nicht nur ein architekturtheoretisches Lebenswerk sondern macht auch zukunftsweisende Strömungen der zeitgenössischen Architektur ausfindig und zeichnet deren Vertreter aus.

Weitere Informationen zu Preisträgern, Stiftung und Programm: www.schelling-architekturpreis.

Diébédo Francis Kéré, Berlin, Deutschland

 

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