Home

Zum Jubiläum des Perchtoldsdorfer Wehrturms packt Nilbar Güreş ‘atmende’ Airbags an das historische Gemäuer und zeigt so seine ‘lebendige’ Rolle im Ort, aktuelle Assoziationen zu den Themen Schutz und Sicherheit miteingeschlossen.

Perchtoldsdorf feiert dieses Jahr das 500-jährige Jubiläum des Wehrturms, eines mächtigen, 60 Meter hohen, spätmittelalterlichen Bauwerks im Zentrum der Stadtgemeinde. Heute ist der Turm Wahrzeichen und wichtiger Bedeutungsträger für die kommunale Identität. Über die Jahrhunderte hinweg wechselten seine Funktionen und Nutzungen: Wehrturm, Wachturm, Kirch- und Glockenturm sowie Stadt- und „Uhrturm“.

Gespür für kulturelle Tradition und kritischen Zeitgeist

Die Künstlerin Nilbar Güreş wurde eingeladen, anlässlich dieses Jubiläums ein temporäres Projekt für den markanten Bau zu konzipieren. Die in Istanbul geborene und dort sowie in Wien lebende Künstlerin ist bekannt für ihre poetische, tiefgründige und oft subtil humorvolle künstlerische Praxis, in der konventionelle Rollenzuschreibungen und tradierte Kulturformen konsequent aufgebrochen und neu gedacht werden. 

Einem Turm Leben einhauchen

Aus drei Fenstern des Turms füllen sich Atem-Blasen aus Ballonseide in einer Größe von je mind. 4 Metern Durchmesser in regelmäßigen Abständen mit Luft und entleeren sich wieder – der Turm scheint zu atmen, als quasi lebendiger Teil dieser Gemeinschaft vor Ort. Die textilen Objekte in Form von überdimensionalen Airbags verbinden auf poetische Weise zwei zentrale Aspekte des Turms: Das Atmen basiert auf der animistischen Annahme von der Beseeltheit der Dinge. Diese Ur-Religion, deren Spuren sich auch in Güreş’ eigener kurdisch-alevitischen Kultur finden lassen, geht von einer in den Dingen existierenden, unsichtbaren Kraft aus, die intuitiv Brücken zu Gefühlen, Wünschen, zur Vergangenheit, zur eigenen Identität herstellen kann, also etwas Lebendiges oder Körperliches besitzt. Auf den Turm bezogen verdeutlicht sie mit der Atembewegung seine lebhafte Bedeutung für die Menschen und die Gemeinschaft um ihn herum.

Schutzmechanismen damals und heute

Der Airbag als formale Referenz bezieht sich auf eine weitere wichtige historische Funktion des Bauwerks, die des Schutzes, und rückt die Thematik von vergangenen und gegenwärtigen Gefahren und Verteidigungsmechanismen assoziativ in den Blick: Wie haben sich das, wovor wir uns schützen, und die Art, wie wir uns schützen, über die Jahrhunderte hinweg verändert? Wie sich schützen und verteidigen, ohne dadurch wiederum andere zu gefährden? Auf die Gegenwart bezogen stehen zweifellos Atemmasken und Abstandhalten an vorderster Stelle dieser Maßnahmen. Und so verwendet die Künstlerin die Form von Airbags, um mit seiner Verbindung zu unserem Alltag einen Dialog über anhaltende oder sich wandelnde Zeichen von Leben, Schutz, Beständigkeit und vieles mehr zu initiieren.

Ab 15. Juni 2021

Ein Projekt von KOERNOE

Nilbar Güreş Galerie Janda

Skizze: Nilbar Güreş

Foto: Hans Schubert

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s